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Humboldt-Universit?t zu Berlin

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Humboldt Labor: im Backstage-Bereich der Wissenschaft

by Ljiljana Nikolic posted on 31.03.2020 11:50 last modified 06.08.2020 10:37

Ein interaktiver Fischschwarm, Einblicke in sonst verborgene Sammlungen und Ausstellungsstücke, die von der Decke h?ngen und angefasst werden dürfen: Die Ausstellung ?Nach der Natur“ im Humboldt Labor wird 打鱼游戏单机版 und Objekte mit vielen Sinnen erfahrbar machen.

Bereits von weitem wird das Spektakel zu sehen sein: Am Ende des langen, wei?en Gangs werden schillernde, auf einen Vorhang projizierte Fische auseinanderwirbeln. Der riesige, leuchtende Schwarm wird den Eingang zum Humboldt Labor bilden, wo sich die Humboldt-Universit?t auf 750 Quadratmetern im Humboldt Forum pr?sentieren wird. Um sich auf diesem begrenzten Raum innerhalb einer Gesamt-Ausstellungsfl?che von 30.000 Quadratmetern Aufmerksamkeit zu verschaffen, braucht es gute Ideen. ?Die Pr?sentation von Forschung muss, wenn sie eine gro?e ?ffentlichkeit erreichen soll, zu einem Ereignis werden“, betont der Kurator der Schau, Dr. Gorch Pieken. Von Anfang an sei klar gewesen: Ein traditioneller Museumsaufbau mit endlosen Vitrinenstra?en kommt nicht in Frage.

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Der erste Weg führte zu den 45 Sammlungen

Als Frauke Stuhl, Projektleiterin des Humboldt Labors, im Frühjahr 2018 das Team zusammenstellte, dr?ngte die Zeit. Denn das Humboldt Forum sollte bereits im Herbst 2019 er?ffnen. ?Daher sind Projektfindungs- und Umsetzungsphase in eins gefallen. Und wir sind mit einer ungef?hren Ausstellungsidee in Richtung Er?ffnungstermin losgelaufen“, erz?hlt Pieken. Innerhalb von sechs Wochen musste eine Ausschreibung für die Gestalter her –?und deshalb in etwa klar sein, wohin die Reise geht. Dass es klappte, lag vor allem an der guten Zusammenarbeit, sagt Frauke Stuhl: ?Obwohl wir uns nicht kannten, haben wir schnell gemerkt, dass wir dieselbe Sprache sprechen.“

Die ersten Wege führten in viele der 45 Sammlungen der Universit?t. Denn neben aktueller Spitzenforschung geht es bei der Schau unter dem Titel ?Nach der Natur“ auch um historische Perspektiven auf das Thema, betont Gorch Pieken: ?Weil die Zukunft nicht nur durch das Meistern der Gegenwart zu gewinnen ist, sondern überhaupt erst durch die Kenntnis der Geschichte begreifbar wird.“

Bekannte und unbekannte, alte und neue Objekte sollten ins Rampenlicht. Aber wie? Die beiden Ausstellungsr?ume im Humboldt Forum sind nicht als Ausstellungsr?ume gebaut worden, sagt Pieken. ?Sie haben keine Magie, und müssen erst noch verzaubert werden.“ Deshalb sei die Wahl auf das Amsterdamer Gestalter-Büro ?Inside Outside“ mit seinem Faible für künstlerische L?sungen gefallen.

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Die Objekte schweben einzeln im Raum

?Am Anfang stand diese fast utopische Idee, mit einem flexiblen System Objekte von der Decke zu h?ngen“, erkl?rt Aura Melis von ?Inside Outside“. Die Gestalter schlugen vor, die Ausstellungsstücke einzeln im Raum schweben zu lassen. Sie h?ngen an Pantografen, wie sie in Fernsehstudios genutzt werden, um Scheinwerfer zu bewegen. Werden die Objekte im Humboldt Labor zur Decke gefahren, entsteht darunter ein Veranstaltungsraum mit bis zu 400 Sitzpl?tzen, in dem auch Seminare und Symposien stattfinden k?nnen. Durch den Schwarm-Vorhang im Foyer trete man in den Saal wie in den ?Backstage-Bereich der Wissenschaft“, sagt Aura Melis. Die Schau gew?hrt einen Blick hinter die Kulissen der Forschung.

Von der Rekonstruktion des Skeletts eines Ursauriers bis zu einer Kinderbibel aus der Colonia Dignidad in Chile: Jedes Objekt hat seine eigene Geschichte. ?Ich denke, das macht diese Ausstellung so faszinierend“, sagt Federico Martelli von der Designagentur Cookies in Rotterdam, die mit Inside Outside zusammenarbeitet.

Wichtiger Referenzpunkt sei das Konzept der Wunderkammer, wie es in der Sp?trenaissance und im Barock beliebt war. Auch im Humboldt Labor sei laut Gorch Pieken eine Grundidee, 打鱼游戏单机版 und Objekte mit vielen Sinnen erfahrbar zu machen, und sie wo es m?glich ist, berühren, drehen und hoch- und runterfahren zu k?nnen.

Was in der Ausstellung so mühelos wirken wird, ist nur mit viel Anstrengung zu realisieren. Die schwebenden Objekte seien eine der gr??ten Herausforderungen gewesen, berichten Stuhl und Pieken. An der Decke des Ausstellungssaales dürfe nichts festgeschraubt und befestigt werden, so dass ein Raum im Raum geschaffen werden musste, um acht Tonnen Gewicht zu halten. Die Elektroplanung für die Objektmaschinen und eine 25 Meter breite und fünf Meter hohe Forschungswand gegenüber im Saal sei sehr anspruchsvoll, da die Wand ebenfalls aus vielen motorisierten Elementen besteht, berichtet Gorch Pieken.

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Projekte aus den Exzellenzclustern sind zu sehen

Exzellenzcluster aller Berliner Universit?ten werden ihre Projekte an der kinetischen Wand pr?sentieren – ein Prototyp, der speziell für das Humboldt Labor entwickelt wurde. Datenvisualisierungen, 打鱼游戏单机版karten und die Interviews der Wissenschaftler*innen der Exzellenzcluster und des Integrativen Forschungsinstituts der Humboldt-Universit?t IRI THESys? werden passgenau auf bewegliche Rollos projiziert, die fahrbar und ausfahrbar sind.

Die Ausstellung sei für das Institut eine Chance, mit Besucher*innen ins Gespr?ch zu kommen, sagt Anne Dombrowski von IRI THESys, das Transformationen von Mensch-Umwelt-Systemen erforscht. Wissenschaft bedeute heute nicht mehr nur Forschung, sondern auch Kommunikation, betont sie.

Das Humboldt Labor will Schnittstelle zwischen Universit?t und Gesellschaft sein. Neben exzellenten und studentischen Forschungen werden deshalb auch Citizen-Science-Projekte ihren Platz in der Ausstellung finden. Besucher*innen k?nnen beispielsweise ihr Wissen bei der Bestimmung von Schmetterlingen einbringen oder bei der Entschlüsselung von Dialekten.

Die inhaltliche Arbeit mache am meisten Spa?, für diese sei aber leider am wenigsten Zeit, berichten Stuhl und Pieken. Grunds?tzliche infrastrukturelle und organisatorische Fragen auch in Abstimmung mit vielen unterschiedlichen Akteuren bestimmten den Alltag, damit nicht nur eine sch?ne Ausstellung, sondern auch ein dauerhaft funktionierender Ausstellungsbetrieb er?ffnen k?nne.

Nach der Er?ffnung wird ein neues Team die Ausstellungsgestaltung weiterführen. ?Eine Wissenschaftsausstellung muss immer in Bewegung bleiben und sich immer wieder neu erfinden. Darum ist es gut, dass nach unserem ersten Aufschlag, der mit hohem Risiko gespielt wird, der Ball von einem anderen Team vielleicht ganz anders angenommen und weitergespielt wird“, sagt der Kurator.

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Autorin: Inga Dreyer